
Höllenfeuer oder Paradieseskühle
Romanus Kreilinger in der Reihe „Wort zum Sonntag“
Temperaturen am Mittwoch 2. Juli 2025: Jerusalem 30 Grad, Nazareth 31, Ostalb 34.
Ob Klimawandel oder einfach Affenhitze – was in den letzten Tagen temperaturmäßig auf der Ostalb geschah, ist nichts ganz Neues: Mit heißen Temperaturen kennt sich auch die Heilige Schrift aus, die nicht nur mit einem ausführlichen Erfahrungsbericht von 40 Jahren in der Wüste punkten kann, sondern auch von 40 Tagen reichlich einseitigem Regenwetter, das einen gewissen Noah gar aufs Schiff flüchten ließ. Dann reute es Gott, und er versprach, künftig für eine deutlich ausgewogenere meteorologische Situation auf dem Globus zu sorgen. Wobei er freilich damals noch nicht damit rechnen konnte, dass der Mensch sich einmal auch das Klima untertan machen würde.
Religionen denken ursprünglich vor allem kosmologisch – das ganze Weltall betreffend in Unendlichkeit. Das Christentum spricht von der heißen Hölle und dem extrem kalten Kosmos als Gegensätze. Als Menschen überleben wir aber nur in einem sehr schmalen Temperaturkorridor dazwischen; d.h. unser Leben ist höchst gefährdet, unsere Existenz keine Selbstverständlichkeit, sondern eher eine Ausnahme im Weltall. Am Ende unseres Lebens warten so oder so wieder extreme Temperaturen auf uns. Entweder wir vergehen in der Kälte von Materie, also irgendwann bei jenen -270 °C die im Weltraum durchschnittlich herrschen, oder wir kommen ins heiße Fegefeuer mit der Höllenhitze.
Mir scheint die Hitze der Hölle dringt derzeit bis an die Erdoberfläche durch in die Mündungsfeuer der Kriege, oder in die Erhitzung der Gemüter in den Abgründen des Internets.
Das Paradies aber wird man sich wohltemperiert denken müssen. Hier gibt es Wasser, hier wachsen allerlei Bäume, heißt es, „verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten“ (Gen 2,9). Viel mehr wird gar nicht gesagt in der Bibel, aber es genügt, um es sich wirklich angenehm vorstellen zu können. So wie wir unser Stückchen Erde kennen.
Der Mensch aber muss die enge Temperaturzone, in der er überlebt, ziemlich aufwändig sichern. Anstatt zu jammern sollten wir uns dieser Aufgabe stellen und uns ein Stück Paradies auf Erden bewahren.