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Foto (privat): Ansgar Baumann führt einen Trauerstammtisch für Männer ein

Wenn das Schweigen zu laut wird

Sibylle Schwenk

Plötzlich ist die Welt aus den Fugen geraten. Wenn die Partnerin oder der Partner stirbt, gerät das gesamte vertraute Leben ins Wanken. Es ist ein Moment, der alles in ein Vorher und ein Nachher teilt. Der Tod eines geliebten Menschen hinterlässt eine Leere, die sich kaum in Worte fassen lässt. Während sich die Welt draußen weiterdreht, scheint die Zeit für die Angehörigen stillzustehen.

Nicht nur den Alltag gilt es neu zu organisieren, auch die Beziehungen zu Freunden und Verwandten verschieben sich. Gemeinsame Zukunftspläne lösen sich auf, und oft bleibt die quälende Frage zurück: Wer bin ich eigentlich ohne den anderen? Daneben sind Trauernde mit einer Vielzahl von Gefühlen konfrontiert. Manchmal fühlt man sich wie neben sich. Inmitten dieses Chaos stellt sich oft die quälende Frage: „Bin ich überhaupt noch normal?“

Die Landpastoral Schönenberg ist seit vielen Jahren für Menschen in diesen dunklen Zeiten da. Die Begleitung Trauernder ist ein fester Bestandteil ihres Aufgabengebiets. Um das bestehende Spektrum an Hilfsangeboten zu erweitern, schafft die Landpastoral gezielt einen Raum für Männer mit Verlusterfahrungen durch den Tod eines nahestehenden Menschen, in dem sie unter sich in den Austausch kommen können.

Fachliche Begleitung

Die Leitung dieses Angebots übernimmt Ansgar Baumann. Er bringt eine fachliche Expertise mit, die er unter anderem durch seine Ausbildung zum Familientrauerbegleiter beim Lavia-Institut gefestigt hat. Doch seine Erfahrung beginnt nicht erst mit der Zertifizierung: Bereits seit einigen Jahren ist Baumann in der Notfallseelsorge tätig.

Die Notfallseelsorge ist ein spezialisierter Dienst, der Menschen in akuten Krisensituationen unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis – wie einem plötzlichen Tod oder einem schweren Unfall – zur Seite steht. Es geht dabei um eine „Erste Hilfe“ für die Seele, um die erste Schockphase zu überbrücken und darum, Betroffene in den ersten Stunden nach dem Verlust nicht allein zu lassen.

Diese Erfahrung in der Akutphase, bei der ersten Nachricht über den Tod, ermöglicht es Baumann, nun den gesamten Weg der Trauernden im Blick zu haben – auch die Unterstützung bei der Verabschiedung vom Verstorbenen und die Zeit, die danach kommt. Nach Abschluss seiner Ausbildung möchte er seine Arbeit im Bereich der Trauerbegleitung nun verstärkt ausbauen. Diese richtet sich nicht nur an Männer; seine Einzelbegleitung ebenso wie die seiner Kollegin Ingrid Beck steht allen Trauernden offen, unabhängig vom Geschlecht oder dem Alter.

Ein geschützter Raum für jede Form der Trauer

Trauer ist grundsätzlich bei Männern und Frauen gleich, nämlich individuell. Warum dennoch ein spezieller Stammtisch für Männer? „Weil die Art und Weise, wie Trauer verarbeitet wird, oft geschlechtsspezifisch geprägt ist,“ sagt Ansgar Baumann. Oftmals täten sich Männer schwerer, ihre Trauer zuzulassen. „Viele Männer neigen dazu, ihren Schmerz in sich hineinzufressen oder durch Aktivität zu überdecken. Der Umgang mit ihrer Trauer fällt ihnen in einem entsprechenden Setting häufig leichter.“

Der Trauerstammtisch ist kein therapeutisches Programm, sondern ein Angebot zur gegenseitigen Unterstützung. Es ist ein Ort, an dem die eigene Trauer genau so Platz hat, wie sie gerade ist – ob sie laut ausgesprochen, in gemeinsamem Schweigen getragen oder in ruhiger Betrachtung analysiert wird. Ziel ist es, die Trauer nicht als hilfloses Erleiden hinzunehmen, sondern den Prozess gemeinsam zu gestalten.

Die Treffen finden einmal im Monat montags statt.  Um den Übergang vom stressigen Alltag zu erleichtern und in der Gruppe anzukommen, beginnen die Treffen bei geeignetem Wetter am Lagerfeuer. Für Getränke und kleine Snacks ist gesorgt. Die ersten Termine sind: 9. November und 7. Dezember 2026 sowie 11. Januar und 15. Februar 2027. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr. Veranstaltungsort ist das Pumpenhaus, Bei den Schlossweihern 1, in Ellwangen. Die Treffen sind so gestaltet, dass sie separat voneinander besucht werden können. Es gibt keine Verpflichtung zur dauerhaften Teilnahme.

Interessierte Männer werden für eine bessere Planung gebeten, sich bis zwei Tage vor dem jeweiligen Termin anzumelden: telefonisch unter 07961 9249170-13 oder per E-Mail an ansgar.baumann@drs.de.

Weitere Angebote der kostenlosen Trauerbegleitung finden sich unter www.landpastoral-schoenenberg.de