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Foto (Schwenk):): v.l. Margit Hutter, Erich Hoffmann, Markus Knoblauch, Pfarrer Matthias Reiner, Alois Feldmeyer.

Hoch zu Ross und mit der Kraft des Gebetes

Sibylle Schwenk

Wenn Weihnachten vorbei ist und die letzten Tage des alten Jahres angebrochen sind, dann beginnt in Westhausen, der sympathischen 6000-Seelen-Gemeinde im Jagsttal, eine ganz besondere Zeit: Es ist Silvesterritt. Jedes Jahr zieht diese Tradition Tausende von Menschen an. Gefühlt ist der ganze Ort auf den Beinen und lässt sich mit hineinziehen in die besondere Atmosphäre von Pferden, Reitern, vom Segen mit der Monstranz und von dem großen Gemeinschaftserlebnis mit politischer und kirchlicher Prominenz.

Westhausen . Das Jahr 2026 hat für Westhausen und seinen Silvesterritt eine große Bedeutung: Die Tradition jährt sich zum 400. Mal. „Deshalb freuen wir uns alle in diesem Jahr besonders auf den Silvesterritt“, sagen Pfarrer Matthias Reiner, Bürgermeister Markus Knoblauch, die Gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Alois Feldmeyer und Margit Hutter sowie „Mr. Silvesterritt“, Erich Hoffmann. Nicht nur, dass Letzterer seit vielen Jahren in der Organisation des Festes mitwirkt und einen beeindruckenden Bildband über die Geschichte des Silvesterritts geschrieben hat, er hat auch am Silvestertag Geburtstag. So wie Erich Hoffmann hängt die kirchliche und die weltliche Gemeinde sehr an diesem Festtag, dessen Wurzeln mittlerweile 400 Jahre alt sind.

Der Anlass des Silvesterritts geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahr 1626 zurück. Eine Viehseuche plagte das mittelalterliche Westhausen und das Volk litt große Not. Man betete den Heiligen Silvester an, der als Schutzpatron für Tier und Vieh gilt. Die Seuche ging zu Ende und das Gelöbnis in Form des Baus der Silvesterkapelle eingelöst. Bald darauf ritten die Menschen auf ihren Pferden jährlich am Silvestertag zur Kapelle. Der Silvesterritt war geboren.

„Die Westhäusener kennen die Geschichte“, ist Erich Hoffmann überzeugt. Und dieses Wissen werde auch von Generation zu Generation weitergegeben. Im Laufe der Jahre hat der Silvesterritt Höhen und Tiefen erlebt. „Besonders in den 1970er-Jahren und während der Pandemie ist die Anzahl der Reiterinnen und Reiter zurückgegangen“, erinnert sich Erich Hoffmann. Doch mittlerweile hat sich diese wieder stabilisiert und ist bei rund 200 Reiterinnen und Reitern angekommen.

Pfarrer Matthias Reiner genießt diese Prozession immer sehr. Er selbst kann reiten und nimmt hoch zu Ross an der Prozession teil. In der Kutsche wird in diesem Jahr Bischof Dr. Klaus Krämer Platz nehmen und mit dem Reliquiar des Heiligen Silvester in der Monstranz den Segen spenden. Neu dazugekommen ist vor ein paar Jahren die Idee, einen Fackelzug am Vorabend des Silvestertages anzubieten, der auf dem Kirchplatz startet und sich zur Silvesterkapelle aufmacht. „Ein sehr schönes Erlebnis“, kommentiert Pfarrer Reiner. Nach dem Gottesdienst, bei dem in diesem Jahr der emeritierte Weihbischof Dr. Johannes Kreidler anwesend sein wird, gibt es ein gemütliches Beisammensein im Pfarrstadel.

„Der Silvesterritt geht zwar von der Kirchengemeinde aus, ist aber ein Fest der ganzen Gemeinde Westhausen, bei dem sich jede und jeder eingeladen und angesprochen fühlt“, ergänzt Bürgermeister Markus Knoblauch. Von einem wahren „Schatz“ und dem „Reiz des Dabeiseins“ sprechen die Gewählten Vorsitzenden Alois Feldmeyer und Margit Hutter. Man freue sich auch über all die auswärtigen Gäste, die zum Teil von weit her anreisen, um den Silvesterritt zu erleben.

Getreu dem Motto der Gemeinde Westhausen „Tradition trifft Zukunft“ soll das Jubiläum in diesem Jahr 2026 auch ein Versprechen für die Zukunft beinhalten – wie das extra aufgelegte Faltblatt zu ‚400 Jahre Silvesterritt‘ verkündet: „Wir wollen nicht müde werden in dem Bemühen, den Silvesterritt auch in seinem fünften Jahrhundert engagiert und mit dem Glauben an die Kraft des Gebetes fortzuführen“.

 

Info:

21.10.26 um 19.00 Uhr im Gemeindesaal:  Vortrag mit Erich Hoffmann zur Geschichte des Silvesterritts (keine Anmeldung erforderlich)

30.12.26 um 18.30 Uhr, Kirchplatz: Begrüßung und anschließend Fackelzug der Reitergruppen sowie Lichterprozession

30.12.26 um 19.00 Uhr: Festgottesdienst in der Silvesterkapelle mit Weihbischof em. Dr. Johannes Kreidler, anschließend gemütliches Beisammensein im Pfarrstadel

31.12.26 um 10.00 Uhr: Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Mauritius mit Bischof Dr. Klaus Krämer

11.30 Uhr: Aufstellung der Reitergruppen in der Bahnhofstraße

12.00 Uhr: Beginn des Prozessionsritts, anschließend Segensfeier auf dem Rathausplatz und Ansprachen