echo extra - Interview
Sibylle Schwenk
- Halten Sie den Prozess „Kirche der Zukunft“ für sinnvoll?
Der richtige Zeitpunkt für diesen großen Prozess ist genau jetzt. Wir können sozusagen die „Gunst der Stunde“ nutzen, weil wir deutlich spürbar weniger pastorales Personal haben und auch die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel immer knapper werden. Man denke dabei besonders an den Unterhalt der kirchlichen Gebäude.
Für den Prozess selbst halte ich es für sehr wichtig, die Menschen mitzunehmen auf dem Weg der Veränderung. Von Haupt- und Ehrenamtlichen höre ich zunehmend, dass diese Veränderung dringend notwendig ist, um Kirche zukunftsfähig zu machen. Insofern: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.
- Welcher Aspekt liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?
Der seelsorgerische Bedarf bei den Menschen nimmt immer weiter zu. Damit wir Pfarrer und alle in der Seelsorge tätigen Kolleginnen und Kollegen spürbar entlastet werden, brauchen wir eine sehr viel effizientere Verwaltung. Aus meiner Sicht müssen wir hier kritisch auf die bisherigen Strukturen schauen und logischer arbeiten. Ich weiß, dass die kirchliche Verwaltung sehr komplex ist. Deshalb ist das auch ein so wichtiger Strang im Prozess.
- An welcher Stelle haben Sie Bedenken?
Die katholische und evangelische Kirche ist nach dem öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland – und wir sind dezentral angeordnet. Wir sind nun dabei, eher in Konzernstrukturen denken zu wollen. Die Stärke, der Schatz von Kirchengemeinden ist jedoch das reiche Potenzial von Engagierten an der Basis. Dort, in den Kirchengemeinden vor Ort, wird Glaube in all seiner Mannigfaltigkeit gelebt. Menschen bringen sich mit ihren Talenten ein und fördern Gemeinschaft, Glaube, Verlässlichkeit und Vertrauen. Beim Prozess einer Zentralisierung kann dieses hohe Gut schnell abgehängt werden oder sich verflüchtigen. Hier müssen wir besonders aufmerksam und sensibel sein.

