echo extra - Interview
Sibylle Schwenk
- Halten Sie den Prozess „Kirche der Zukunft“ mit den einzelnen Prozessen für Seelsorge, Gebäude, Verwaltung… für sinnvoll?
Mein Mann und ich sind regelmäßige Kirchgänger. Natürlich nehmen wir wahr, dass die Gottesdienstbesucherinnen und –besucherzahl immer weiter zurückgeht. Der Prozess ist die logische Konsequenz von rückläufigen Kirchenmitgliedszahlen und dem immer kleineren werdenden Kreis an pastoralem Personal. Insofern halte ich den Prozess für sinnvoll. Überrascht bin ich schon über die Dimension des Prozesses. Aus aktuell 105 Kirchengemeinden werden 5 neue Kirchengemeinden. Ich habe erstmals bei der Gemeindeversammlung überhaupt vom Prozess „Kirche der Zukunft“ etwas gehört und war dann schon überrascht, wie weit alles schon fortgeschritten ist. Eine Diskussion darüber ist gar nicht mehr möglich. Unsere Diözese ist offensichtlich eine der letzten in Deutschland, die die Reform angeht. Dabei finde ich gut, dass man aus den Fehlern anderer Bistümer lernt.
- Worin sehen Sie große Chancen, aber auch eventuelle Nachteile?
Eine so umgreifende Strukturreform tut sicherlich manchen Menschen weh. Das ist bei jeder Umstrukturierung so. Aber ich sehe auch die Chance, dass Neues entstehen kann, zum Beispiel, dass sich Laien stärker einbringen und sich für eine lebendige Kirchengemeinde vor Ort einsetzen können. Durch die Verwaltungsreform haben pastorale Mitarbeitende dann hoffentlich wieder mehr Freiräume, um sich der Seelsorge zu widmen.
- Was halten Sie persönlich außerdem noch wichtig für die „Kirche der Zukunft“?
Ich selbst komme aus der katholischen Jugendarbeit. Mir fehlt mittlerweile die große Begeisterung und die Möglichkeit, neue Formen von Gottesdienst auszuprobieren. Ich hoffe sehr, dass es Kirche wieder schafft, Menschen zu motivieren und miteinzubinden. Ich wünsche mir insgesamt mehr Freiheiten für Kirchenmitglieder und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und zu verwirklichen.

