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Foto (Schwenk): Pfr. Shiju Mathew in Leinzell

Im Tun die Freude am Glauben finden

Sibylle Schwenk

In seiner Heimat im südindischen Kerala wird noch viel gebetet. Jeden Abend ein Rosenkranz. Die Kinder und Jugendlichen werden von ihrer Pfarrei im Glauben unterrichtet, nicht in der Schule. Und die Familien tragen die religiösen Traditionen weiter, sie werden dort gepflegt und gelebt. „Das ist der größte Unterschied zu Deutschland“, lässt Pfarrer Shiju Mathew wissen. Glaube und religiöse Praktiken haben so gut wie keinen Platz mehr in den Familien.

„Kinder lassen sich sehr gut motivieren und begeistern“, sagt Pfarrer Mathew. Doch wenn die Vorbereitungszeit auf die Kommunion oder die Firmung vorbei und das große Fest gefeiert ist, dann verschwindet auch die Begeisterung. Pfarrer Mathew versucht vor Ort sein Bestes, um die Gemeinschaft der Gläubigen in seiner Seelsorgeeinheit weiterhin mitzureißen.

Die Lebendigkeit, die Freude und die Fröhlichkeit im Glauben – das vermisst er manchmal schon, wenn er an sein Zuhause in Indien denkt. Obwohl man dort im so genannten „syro-malabarischen“ Ritus Gottesdienst feiert, steckt in der großen Gemeinschaft der Gläubigen eine Verbundenheit, nach der hier so oft gesucht wird. „Bei diesem Ritus wendet man sich nach dem Glaubensbekenntnis dem Altar zu“, erklärt Pfarrer Mathew. In Indien gibt es etwa 3,5 Millionen Christen, die diese Liturgie feiern. Durch das Sich-Hinwenden zum Altar will man sich die Gegenwart Christi in der Eucharistie noch stärker bewusstmachen. Der erste Teil der Messe, die Wortliturgie, richtet sich dagegen stärker an die Gemeinde, da das Wort Gottes verkündet und ausgelegt wird. Diese Praxis hat ihre Wurzeln in der alten Tradition der ostsyrischen Liturgie und bringt die geistliche Bedeutung zum Ausdruck, dass die ganze Gemeinde als pilgerndes Gottesvolk gemeinsam auf Gott ausgerichtet ist.

Erst vor ein paar Wochen hat Pfarrer Mathew diese Art der Liturgie beim außerordentlichen Missionssonntag in der Gemeinde St. Georg in Leinzell gefeiert. Die Gläubigen waren der für sie neuen Art der Liturgie durchaus zugewandt. Diese stärkt auch den Blick auf den weltkirchlichen Aspekt der Liturgie.

Pfarrer Shiju Mathew ist einer von insgesamt acht indischen Priestern im Dekanat Ostalb. Und in der Seelsorgeeinheit Limeshöhe, in der Kirchengemeinde St. Maria Wetzgau-Rehnenhof – wirken drei indische Schwestern. „Wir versuchen uns alle einmal im Monat zu treffen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern“, beschreibt Pfarrer Mathew.

Für ihn kam der Ruf nach Deutschland bereits im Jahr 2009. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie sowie der Priesterweihe in 2007 in Kerala, hieß es für Shiju Mathew also wieder zu lernen. Dieses Mal am Goethe-Institut. Während seiner Zeit als Vikar zur Ausbildung für deutsche Pastoral in der Seelsorgeeinheit Schwendi, wurde er bereits drei Jahre später Pfarrer im Dekanat Schwäbisch Hall. 2014 zog es ihn dann nach Aalen, wo er als Pfarrvikar und pastorale Ansprechperson in der Salvatorgemeinde wirkte. Nach einer Anfrage von Dekan Robert Kloker übernahm er am 25.07.2021 die Leitung der bereits seit zwei Jahren vakanten Seelsorgeeinheit Leintal mit den Gemeinden Leinzell, Schechingen, Heuchlingen und Horn.

Pfarrer Mathew lächelt. Er kann es selbst kaum glauben, dass er jetzt schon fünf Jahre in Leinzell wohnt und dort das Schiff der Gemeinden zieht. Die Gemeinschaft ist für ihn am Wichtigsten. „Glaube wächst in der Gemeinschaft“, ist er überzeugt. Und: „Wenn du an Gott glaubst, dann musst du es auch praktizieren“.