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Foto (Schwenk): Benedikt Lang hat den Bogen aufgenommen

Mit Pfeil und Bogen ins Hier und Jetzt

Sibylle Schwenk

Das Holz des Bogens fühlt sich gut an. Es ist glatt und hat eine ganz feine Oberfläche. Fast ein bisschen ehrfürchtig streicht Benedikt Lang über den Bogen aus Bambus. Der Leiter des Neresheimer Programms auf dem Ellwanger Schönenberg hat ein Format entwickelt, mit dem man über das Bogenschießen in einen meditativen Zustand ins eigene Bewusstsein kommt, also ganz bei sich ist und bei den Dingen, die in genau diesem Moment zu tun sind.

„Wenn du in dir ruhst, wirst du treffen“, lächelt Benedikt Lang. Im Hier und Jetzt zu sein, den Fokus auf diesen einen Moment zu richten und dadurch eine innere Ruhe zu finden, das will Benedikt Lang mit dem Angebot „Meditatives Bogenschießen“ erreichen. „Das Ziel ist der Weg und das Ziel ist im Weg“, führt er weiter aus. Es kommt also nicht darauf an, einen bestimmten Punkt zu treffen, sondern sich mit der Handlung ganz zu verbinden und dadurch eine natürliche Energie zu erfahren.

Als Leiter des Neresheimer Programms ist der Theologe und Pastoralreferent Benedikt Lang im Dekanat Ostalb in vielen seiner Angebote damit befasst, Menschen in die Meditation und damit zur inneren Ruhe, Selbstreflexion zu begleiten und so ein Ausbrechen aus der Alltagsroutine zu ermöglichen. „Ich habe festgestellt, dass Meditation in Bewegung leichter gelingt“, lässt er wissen.

Diese Erfahrung macht er vielfach als Klosteryogalehrer (Jugum). Mit den Gebärden und „Leibes-Übungen“ gelingt es den Menschen, sich selbst besser wahrzunehmen, die eigene Intuition zu stärken und dem Erfahrenen Raum und Ausdruck zu geben.

Gemeinsam mit seinem Kollegen im Amt, Benjamin Sigg, hat er das europäische Klosteryoga, Jugum, mit dem intuitiven Bogenschießen verbunden und so eine besondere Form des Meditativen Bogenschießens entwickelt. Beides fußt auf den Erfahrungen und Forschungen von „InstiTEM“, dem Institut für traditionelle europäische Medizin in Wien. „Das neue Konzept ist in enger Kooperation mit InstiTEM entstanden und greift eine alte Tradition des christlich-spirituellen Bogenschießens auf. Die positiven körperlichen wie mentalen Auswirkungen sind wissenschaftlich belegt“, so Lang.

Wie im europäischen Klosteryoga so ist auch beim Bogenschießen jede Bewegung, jeder Moment gleich wichtig, jeder Gedanke darf fließen. „In unserer komplexen Welt sind Menschen oft überfordert. Sie suchen nach Orientierung, einer haltgebenden Struktur und nach Momenten, wo sie einfach „Sein“ dürfen“. Genau das erfahren die Menschen im klaren Ablauf des Bogenschießens. Um als Neuling in einen guten „Flow“ zu kommen, braucht es mindestens zwei Stunden. Bis zu zwölf Personen können gemeinsam an einem Kurs teilnehmen.

Es war die Faszination für die indigenen Völker Nordamerikas, die vor vielen Jahren alles ins Rollen brachte. Als Kind war Benedikt Lang begeistert von der Welt der „Indianer“, ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur, ihrer Überzeugung, dass alles lebendig ist und beseelt – der Wind, der Baum, der Stein, der Pfeil im Flug – und vor allem von ihrer Haltung, dass jede Handlung heilig ist – ob das Entzünden eines Feuers, das Sprechen eines Gebets oder eben das Spannen eines Bogens.

All dies schwingt für ihn in der Kraft des Bogens mit. Und diese Kraft kann sich letztlich mit der Person, die den Bogen aufnimmt, ihm übers Holz streicht, die den Pfeil langsam und mit großer Achtsamkeit aus dem Köcher greift, die sich auf- und ausrichtet und sich ganz in das Spüren dieses einen Moments verlagert, verbinden. „Am besten gelingt es“, so weiß Benedikt Lang, „wenn man die Bewegung des Bogens auf die natürliche Atmung legt und sich so eine fließende Bewegung aus Körper, Geist und Seele ergibt“.

Die indigenen Völker Nordamerikas wussten: Ein Pfeil, der mit Bewusstsein abgeschossen wird, trägt mehr in sich als nur Geschwindigkeit und Richtung. Er trägt die Haltung dessen, der ihn loslässt – seine Stille, seine Dankbarkeit, seine Verbundenheit mit allem, was ist. Genau das ist es, was Benedikt Lang mit dem Meditativen Bogenschießen auf Basis der eigenen Tradition weitergeben möchte: keine Technik, sondern eine Haltung. Keine Leistung, sondern ein Geschenk.

Kursinfo: Beim „Meditativen Bogenschießen“ braucht es keine Vorkenntnisse. Es ist geeignet für Gruppen mit bis zu 12 Personen (Firmen, Vereine, Büroteams…)

Anmeldung: benedikt.lang@drs.de