Skip to content
Foto (Schwenk): Markus Mengemann, Regionalleiter Caritas Ost-Württemberg

echo extra - Interview

Sibylle Schwenk

Sie sind im Steuerungskreis für Seelsorge in neuen Strukturen. Halten Sie die Maßnahme, große, neue Kirchengemeinden zu bilden, für sinnvoll?

Ja, grundsätzlich halte ich diesen Schritt für sinnvoll. Aus meiner Tätigkeit als Regionalleiter der Caritas Ost-Württemberg kenne ich die Chancen größerer Strukturen. Unsere Region umfasst zwei Landkreise, und wir erleben, wie wichtig leistungsfähige Verwaltungseinheiten sind, um steigende Kosten und gleichzeitig sinkende Einnahmen auszugleichen. Ähnliche Herausforderungen betreffen auch die Kirche. Größere Kirchengemeinden können Ressourcen bündeln und Zukunftsfähigkeit sichern. Entscheidend ist dabei, dass trotz neuer Strukturen die Nähe zu den Menschen, das kirchliche Leben vor Ort und die persönliche Ansprache erhalten bleiben.

War es schwierig, im Steuerungskreis zu einem Konsens zu kommen?

Nein, überraschenderweise hat sich trotz der unterschiedlichen Hintergründe und Perspektiven sehr schnell eine gemeinsame Sichtweise entwickelt. Die verschiedenen Erfahrungen aus Seelsorge, Verwaltung, Ehrenamt und sozialen Diensten haben sich dabei nicht widersprochen, sondern sinnvoll ergänzt. Alle Beteiligten waren sich der Herausforderungen bewusst und hatten das gemeinsame Ziel, Kirche zukunftsfähig zu gestalten. Durch den offenen und wertschätzenden Austausch konnten unterschiedliche Anliegen gut berücksichtigt und tragfähige Lösungen entwickelt werden.

An welcher Stelle haben Sie Bedenken?

Meine größte Sorge ist, dass Menschen den Eindruck gewinnen könnten, Kirche entferne sich von ihrem Lebensumfeld. Wenn Gemeinden größer werden, darf die Nähe zu den Menschen nicht verloren gehen. Gleichzeitig sehe ich große Chancen: Weder Kirche noch Caritas werden künftig überall mit gleicher Präsenz vor Ort sein können. Umso wichtiger werden gute Kooperationen und neue Ansätze. Wenn Kirche und Caritas ihre Stärken bündeln, können sie in der Fläche gemeinsam mehr Menschen erreichen, begleiten und unterstützen als jeweils allein.