Ankommen
Martin Keßler in der Reihe „Wort zum Sonntag“
Spritpreise an der Decke, Hitze und Dürre wegen des Klimawandels, da dachte ich mir: „Komm, fahr doch mit der Bahn nach Ulm.“ Gesagt, getan. In einer dreiviertel Stunde in die Innenstadt, das wäre schon komfortabel. Mit dem Bus und genügend Puffer zum Bahnhof, liefe alles wie am Schnürchen.
Auf dem Bahnhof viele Menschen und die Bahnsteige voll. Warum? Nun, alle Züge in alle Richtungen hatten betriebsbedingt Störungen und entsprechend Verspätung oder fuhren plötzlich gar nicht mehr. Mich nahm dann wenigstens eine Bummelbahn nach Ulm mit, die Verspätung betrug schließlich eine Stunde vierzig, also die dreifache Zeit des Normalbetriebs.
Der Zug war natürlich brechend voll, und nur mein Hund sorgte für gute Laune bei den Reisenden, weil er so schön und anständig sei. Gut, meine Laune hat es nur bedingt gehoben.
Gestern traf ich beim Gassi gehen ein junges Paar aus der Ukraine. Die Frau meinte, wir kennen uns doch vom „Umzug mit Hund“. „Umzug mit Hund“? Hä, verhört? Ja, die Zugfahrt nach Ulm, sie hätte sofort den schönen Hund wiedererkannt.
Für mich eine passende Gelegenheit meine Verärgerung über die Bahn in epischer Breite loszuwerden. „Stimmt“, meinte die junge Frau mit einem Lächeln, „aber wir sind doch angekommen.“
Stille. Stimmt, wir sind doch angekommen. Damit war das Wesentliche gesagt und es wurde noch eine nette Unterhaltung.
Zuerst das Positive zu sehen hilft, nicht nachtragend zu sein. Die Bahn juckt mein Ärger sowieso wenig bis gar nicht. Ich jedoch habe ihn offensichtlich die ganze Woche mit mir herumgetragen. Was habe ich also davon, mich so lange über dieses Erlebnis aufzuregen? Davon wird es nicht besser und auch am Ende nicht gut.
Und dann? Dann hoffen wir Christen auf Gottes Zusage: „Siehe, ich mache alles wieder gut.“ Dies ist der notwendige Blickwechsel! Weg vom Jammern in die Zuversicht, die uns befreit und munter die weiteren Schritte gehen lässt.
Also: Geben wir uns (und der Bahn) eine neue Chance?

