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Foto (Schwenk): Annekatrin Schulze und Tobias Kriegisch

Sich den Schmerz von der Seele reden

Sibylle Schwenk

Gefangen sein in einer Situation, nicht mehr weiterwissen, kein Licht am Ende des Tunnels sehen. So oder ähnlich kann es sich anfühlen, wenn man in einer Lebenskrise steckt. Doch: Wem kann man sich öffnen? Wem seine Sorgen anvertrauen?
Über acht Millionen Mal werden die Nummern der Telefonseelsorge in Deutschland gewählt. In diesem Jahr feiert die ökumenisch angelegte Einrichtung ihr 70-jähriges Bestehen. Am 6. Oktober 1956 wurde die „ärztliche Lebensmüdenbetreuung“ in Berlin gegründet. Anlässlich dieses Jubiläums werden im Dekanat Ostalb 70 Bänke als „Zuhörbänkle“ ausgerufen.

Ostalbkreis . Vielleicht hilft es, die Dinge einmal auszusprechen, sich den Schmerz von der Seele zu reden. Dafür braucht es jemanden, der zuhört. „Auf den Schildern der Zuhörbänkle ist die Nummer der Telefonseelsorge Ulm zu finden“, erklären Annekatrin Schulze, evangelische Klinikseelsorgerin und Tobias Kriegisch, katholischer Dekanatsreferent. Und die Einladung gilt: Rund um die Uhr ist diese Nummer erreichbar, am anderen Ende mit einem Menschen besetzt, der sich in Sachen „Zuhören“ auskennt. Eine einjährige Ausbildung qualifiziert die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge.

„Das Telefonieren bei der Telefonseelsorge ist und bleibt spannend. Die Anruferinnen und Anrufer erzählen von ihren Lebenssituationen, von Problemen und Schwierigkeiten“, berichten Schulze und Kriegisch. Manchmal kommen im Gespräch Ideen auf, wie man mit der Situation umgehen oder sich auf einen neuen Weg einlassen könnte. „Doch auch, wenn es dazu gar nicht kommt, nützt es den Anrufenden oft schon, sich einfach den Schmerz von der Seele zu reden“.

Der häufigste Grund, den die Menschen, gleichgültig welchen Alters nennen, ist Einsamkeit. Aus dem Gefühl der Einsamkeit werden Themen drängender wahrgenommen. Familiäre Konflikte, psychische Erkrankungen und deren Auswirkungen, suizidale Gedanke und Krisen, die die Ratsuchenden mit unbeteiligten Menschen von außen in dem geschützten und anonymen Raum besprechen möchten, sind weitere Themen.

Dafür steht der Telefonseelsorge Ulm ein Pool von rund 100 Mitarbeitenden zur Verfügung. Es arbeiten Menschen mit, die ein sinnstiftendes Ehrenamt ausüben möchten. Nach der einjährigen Ausbildung finden regelmäßig Supervisionen und Fortbildungen statt, um sich zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Mittlerweile hat sich auch die Online-Funktion mit Chat und Mail etabliert. Vor allem jüngere Menschen nutzen dieses Angebot hauptsächlich. Man kann erkennen, dass das geschriebene Wort hilfreich ist, um schambesetzte Themen oder Nöte, die als sehr schwer empfunden werden, mitzuteilen.

Nun gibt es also Plätze im Ostalbkreis, die die Einladung des Aussprechens von Nöten nochmals aktiv durch die Zuhörbänkle anbietet. Daneben gibt es schon seit vielen Jahren die „Orte des Zuhörens“ bei der Caritas Ost-Württemberg in Ellwangen und momentan auch die Zuhörbänkle auf der Landesgartenschau Ellwangen. Jeden Mittwochvormittag findet sich an den Zuhörbänkle in der Basilika St. Vitus und im Kirchengarten jemand, der vertraulich zuhört, und zwar in der Zeit von 10-12.00 Uhr.

Info:

Die Telefonseelsorge Ulm / Neu-Ulm wurde 1978 gegründet und feiert dann in 2 Jahren ihren 50-jähriges Bestehen, das auch in der Region gefeiert wird.

Zum 70-jährigen Bestehen von „TelefonSeelsorge Deutschland“ haben das Katholische Dekanat Ostalb und der Evangelische Kirchenbezirk Ostalb die Aktion „70 neue ZuhörBänkle im Dekanat Ostalb“ ins Leben gerufen.

Anlässlich des Jubiläums hat auch Dekan Kloker zum Hörer gegriffen und übernahm bei der Telefonseelsorge Ulm einen Dienst.

 

Tel. 0800/1110111 oder 0800/1110222

online.telefonseelsorge.de