Eingesprungen
Martin Keßler in der Reihe „Wort zum Sonntag“
Heute bin mal wieder für diese Rubrik eingesprungen, weil ein Kollege nicht konnte. „Könntest Du nicht – bitte – Dir fließt das doch aus der Feder, …“ so werde ich gelockt und schon sitze ich am Schreibtisch und, ja und, mir fällt nichts ein!
Noch während ich mich über mich selber ärgere, schleicht sich der Gedanke ein, schreibe übers Einspringen – voila, gerettet.
Einspringen macht eine Szene, einerseits sichtbar, da macht einer einen Satz durch die Luft, ohne Seil und doppelten Boden. Oft genug spontan, überraschend und ohne Vorbereitung. Andererseits emotional, da wird Dir Angst und Bang, ob Du es diesmal schaffst.
Da hilft Dir nur das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder das Vertrauen in die Anderen, dass sie dich auffangen, mitnehmen, unterstützen, etc. Stabilität und Stand bekommst du nur durch Bewegung und ständigen Ausgleich, paradox.
Ich liebe das „Einspringen“, den Nervenkitzel, das Wackelige, das Überraschende, das sich stets neu Erfindende. Als Klinik- und Notfallseelsorger ist das sozusagen mein tägliches Brot, nicht zu wissen, wer kommt jetzt mit was um die nächste Ecke, begegnet mir und konfrontiert mich.
Die Bibel erzählt viele solche Geschichten, in denen Menschen einspringen, einspringen müssen und durch Vertrauen in sich, in die Menschen und in Gott wunderbar landen. Sie werden heil und kommen weiter. Sie kommen sogar über den Tod hinaus, weil einer, Jesus Christus, für sie einspringt.
Für mich sind diese Zeugnisse Grund genug, selbst jeden Tag neu einzuspringen und in die Bewegung der Menschen einzuschwingen.
Und Jesus Christus ist allemal Grund genug, voll Zuversicht in den großen Totentanz der Welt und einmal in den eigenen Tod einzuspringen.

