Foto (Heinz Heiss): Beim Jugum-Kurs, hinten Mitte Benedikt Lang

Sich mit etwas Göttlichem verbinden

Sibylle Schwenk

Jugum Klosteryoga

Wie beten wir? Manche im Stehen, manche knieend oder im Gehen, beim Pilgern. Dass wir verlernt haben, in Gebärden zu beten, hat auch damit zu tun, dass im 16. Jahrhundert feste Sitze in die Kirchenräume eingebaut wurden. „Die bis dahin durchaus übliche Praxis das Gebet zu gebärden oder durch Leibübungen auf sich wirken zu lassen, wurde dadurch beschnitten“, sagt Benedikt Lang, Mitarbeiter im Dekanat Ostalb. Als Leiter des so genannten „Neresheimer Programms“ auf dem Ellwanger Schönenberg, das sich den Themen der Selbstfindung, Entspannung und Persönlichkeitsentfaltung verschrieben hat, ist er auf die Spur von Jugum-Klosteryoga gekommen.

Neun Gebärden vereint Jugum-Klosteryoga für eine neue Art des Betens. Ähnlich wie beim Yoga geht es um das Spüren des Körpers und das Hineinlassen von Spiritualität. „Die Kombination aus sportlichen und spirituellen Elementen war eigentlich schon immer da“, erklärt Benedikt Lang. Allerdings habe sich mit der Zeit alles eher auf den Geist fokussiert. Man hörte auf die Predigt und die Lesungen aus der Bibel, „wie in einer Art Frontalveranstaltung“.

Jugum setzt hier wieder an. Entwickelt vom Institut für Traditionelle Europäische Medizin (InstiTEM) in Wien, vereint es jahrhundertealte klösterliche Körper,- Atem und Herzübungen. Die neun Leibgebärden wurden überliefert vom Heiligen Dominikus (1170–1221). „Es ist keine Methode, um zu entspannen“, sagt Benedikt Lang, „es sind Gebetshaltungen, um eine Möglichkeit zu schaffen, sich mit etwas zu verbinden, das über die Welt hinausgeht“. Man könne von einer Art „Beziehungspflege mit dem Göttlichen“ sprechen.

Benedikt Lang hat einen Kurs beim Pionier des Klosteryogas, Karl Steinmetz, durchlaufen und ist begeistert von dieser Art des Betens. Durch die Übungen könne man zur Ruhe kommen, sich selbst finden und achtsam werden. „Und wenn wir zu uns kommen, können wir auch zu Gott kommen“, ist Benedikt Lang überzeugt.

Dabei richten sich die neun Gebärden (disciplina, custodia, elevatio, aperitio, humiliatio, genuflexio, prostratio, mediatio und processio) an unterschiedliche Funktionskreise des Körpers und führen damit verschiedene Dynamiken aus. „Die Gebärden können phlegmaentstauend und faszienentspannend wirken“, beschreibt Benedikt Lang. Aber auch aufweckend, fokussierend, dynamisierend, öffnend, besänftigend, motivierend und bewegend sind die Übungen aufgebaut.

Der für diese Praxis verwendete lateinische Begriff „Jugum“ steht in einer gewissen sprachlichen Parallele zu „Yoga“. Beides leitet sich aus dem Indogermanischen her und bedeutet „Joch“. Jugum steht also für Übungen, die man für ein höheres Ziel auf seine Schultern legt, dem Ziel, durch die Leibübungen Gott näher zu kommen. Das Ziel der Jugum-Klosteryoga-Kurse ist es aber auch, durch die Gebärden zu einem körperlichen Wohlbefinden zu kommen, zu mentaler Stabilität und spiritueller Gelassenheit.

Benedikt Lang hat die erste offizielle Ausbildung zum Jugum-Trainer im Herbst letzten Jahres begonnen. Das Institut mit Karl Steinmetz hat diesen Kurs mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart angeboten.

„Wir werden Jugum-Klosteryoga dann auch ins Neresheimer Programm aufnehmen“, blickt Benedikt Lang in die Zukunft. Man darf gespannt sein, auf diese alte, verloren gegangene und neu entdeckte Art des Betens.