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Sei­ten­stra­ße „Revo­te der Würde“

16.03.2022

Wer denkt schon dar­über nach, woher die Toma­ten kom­men, die rei­hen­wei­se geschält, pas­siert oder als Toma­ten­mark im Super­markt zu fin­den sind? Bei der Öffent­li­chen Mit­tags­pau­se am Diens­tag im Haus der Katho­li­schen Kir­che haben Betriebs­seel­sor­ger Dr. Rolf Sied­ler und Danie­la Dor­rer, Koor­di­na­to­rin für kom­mu­na­le Ent­wick­lungs­po­li­tik der Stadt Aalen, auf Miss­stän­de auf­merk­sam gemacht.

 

„Der Toma­ten­han­del ist fest in Mafia-Hand“, sagt Rolf Sied­ler. Er geht auf die Geschich­te der Toma­te ein, die in ver­schie­de­nen Rei­festa­di­en unter­schied­li­che Aus­wir­kun­gen haben kann und des­halb eine „komi­sche“ Frucht sei. Bis die Toma­te hier bei uns in den Super­markt­re­ga­len in ver­ar­bei­te­ter Form lan­det, hat sie zum Einen einen lan­gen Weg hin­ter sich und zum Ande­ren sieht und schmeckt nie­mand die unwür­di­gen Bedin­gun­gen, unter denen die Ern­te der Toma­ten auf Ita­li­ens Fel­dern statt­fin­det. „Unter sen­gen­der Hit­ze arbei­ten zumeist Flücht­lin­ge aus Nord­afri­ka auf den Fel­dern“, führt Rolf Sied­ler aus. Für eine Ern­te von 300 kg Toma­ten erhal­ten die Arbei­ter zehn Euro. „Die­ser Lohn wird jedoch meist gleich abge­grif­fen für Trans­port­we­ge zu den Plan­ta­gen“, so Sied­ler. Ein unhalt­ba­rer, skan­da­lö­ser Zustand. Die Prei­se der Toma­ten sind dik­tiert in einer „öko­no­mi­schen Ver­schach­te­lung, die in Tei­len sogar legal ist“, berich­tet Siedler.

Dass das, was im glo­ba­len Nor­den ein­ge­kauft und ver­zehrt wird, den glo­ba­len Süden beein­flusst, stellt Danie­la Dor­rer in den Raum. Vor Ort könn­ten wir alle ein Stück bei­tra­gen, damit die Aus­beu­tung auf Ita­li­ens Toma­ten­fel­dern durch­bro­chen und wei­ter­hin dar­auf auf­merk­sam gemacht wird. „Wir sind regel­mä­ßig auf dem Aale­ner Wochen­markt mit unse­ren No-Cap-Toma­ten“, sagt Danie­la Dor­rer. Das nächs­te Mal am 2. April. Außer­dem kann man die „fai­ren Toma­ten“ in der Betriebs­seel­sor­ge im Haus der Katho­li­schen Kir­che erwer­ben und im Welt­la­den. Auf die­se Art und Wei­se bau­ten wir alle eine Sei­ten­stra­ße, die „Revol­te der Wür­de“ heißt.

Dekan Robert Klo­ker berich­te­te, dass er bei sei­nem Ita­li­en-Urlaub genau die geschil­der­ten Umstän­de beob­ach­ten konn­te. Außer­dem bekräf­tigt er die Anwe­sen­den, auf die Miss­stän­de zu schau­en. „Wir müs­sen die Wahr­heit sehen und dür­fen nicht weg­schau­en“, so Dekan Klo­ker. Die­ses „Hin­schau­en“ fin­det sich auch im Mot­to des Deka­nats „Hin­schau­en, Mut machen, Leben tei­len“. Die zahl­rei­chen Gäs­te der Öffent­li­chen Mit­tags­pau­se bete­ten gemein­sam die Wor­te, die der Dekan dazu for­mu­liert hatte.

Pas­send zum The­ma gab es Nudeln mit Toma­ten­sauce. Die nächs­te Öffent­li­che Mit­tags­pau­se fin­det am 10. Mai um 12.00 Uhr statt. Die Gestal­tung liegt in den Hän­den der Seel­sor­ge für Men­schen mit Behin­de­rung und beim ambu­lan­ten, öku­me­ni­schen Hospizdienst.

Betriebsseelsorge
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